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Muskelkater
Spaß bei Seite. Ich habe mich für einen Vortrag auf Arbeit ein wenig mit dem Thema Muskelkater auseinandergesetzt. Dachte, dass es vielleicht auch für das Forum ganz interessant ist? Bzw. sein könnte.
Viele Grüße, Finchen
Muskelkater
Muskelkater (engl. delayed muscle soreness DOMS) beginnt frühestens einige Stunden nach ungewohnten oder besonders intensiven Belastungen. Die Muskeln sind druckempfindlich, schwellen an, sind steif, hart und kraftlos. Nach 1 – 3 Tagen erreichen die Schmerzen (vor allem bei isometrischen) bei Kontraktionen nach der ursächlichen sportlichen Betätigung ihren Höhepunkt und dauern etwa eine Woche an. Zu Muskelkater kommt es bei
- körperlicher Aktivität nach langer Pause
- ungewohnten Bewegungen (auch bei gut trainierten Sportlern )
- besonders starke Belastungen (z. B. Wettkampf) (auch bei gut trainierten Sportlern)
- epileptischen Krämpfen und
- bei der Gabe von Muskelrelaxantien bei der Narkoseinteilung
Anzumerken ist, dass bei all diesen Fällen die intramuskuläre Koordination unvollkommen ist.
Innerhalb der Sportmedizin und der Sportwissenschaft werden verschiedene Ursachen zum Thema diskutiert. Schäden an Muskelzellen durch hohe mechanische (Verletzungshypothese) oder metabolische (Stoffwechselhypothese) werden innerhalb der Sportmedizin und der Sportwissenschaften als Ursachen angesehen. Die vieldiskutierte Schädigungsursache von Radikaleffekten bei einem intensiven Stoffwechsel sind ebenso wie die Wirkung von Milchsäure unbewiesen. In jedem Fall ist der verspätete Schmerz nur durch Folgereaktionen, die Zeit benötigen, zu erklären.
Klare Ergebnisse gibt es seit den Untersuchungen von Friden et al. Sie fanden in 20-30 % der Fasern des M. vastus lateralis Schäden, insbesondere in den Z-Streifen, die wie Zerreißungen aussehen, sofort und sowie nach 3 und 6 Tagen nach exzentrischen Belastungen. Mikroverletzungen gelten als die inzwischen akzeptierte Ursache für einen Muskelkater – dafür spricht, dass diese Schäden unmittelbar nach der Kontraktion beobachtet wurden. Möglicherweise ist eine hohe Dehnungsgeschwindigkeit entscheidender als die maximal aufgewendete Kraft. Nach Bönning könnten „einzelne Sarkomere dabei stärker gedehnt werden und zerreißen, wenn sie wegen fehlender Überlappung der Aktin- und Myosinfilamente keine aktive Kraft entwickeln. Die sichtbaren Schäden nahmen in den erstgenannten Versuchen nach drei Tagen zu, vermutlich durch Autolyse geschädigter Strukturen. In der folgenden Regenerationsphase fanden sich zahlreiche eiweißbildende Ribosomen zwischen den Filamenten. Nach 6 Tagen waren die Veränderungen weitestgehend abgeheilt. Biopsien nach Marathonläufen ergaben ein anderes Schadensbild: Filamente, Mitochondrien, sarkoplasmatisches Retikulum und Zellmembranen waren zerstört, im Gewebe fanden sich Leuko- und Erythrozyten. Es liegt nahe, hierbei wegen der Membranauflösung an Radikalschäden zu denken. Jedoch findet man nach Marathonläufen weder eine Zunahme von entsprechenden Markern wie Malondialdehyd noch eine deutliche Schutzwirkung des Antioxidans Vitamin E.“
Fast regelmäßig lässt sich Muskelkater durch intensive negative Arbeit wie z. B. Bergablaufen auslösen. Hierbei ist die Kraft bezogen auf die Einzelfaser stets höher als bei absolut gleicher positiver Arbeit. Da die einzelnen Fasern bei exzentrischer Kontraktion mehr Kraft entwickeln, werden weniger Fasern rekrutiert und entsprechend stärker belastet; deshalb besteht auch eine erhöhte Verletzungsgefahr. Bei einer mangelnden intramuskulären Koordination ist das Risiko besonders groß.
Es spricht für subtile Anfangsschäden an intrazellulären Strukturen (Schmerzrezeptoren liegen extrazellulär im Bindegewebe), dass unmittelbar kein Schmerz verspürt wird. Eine Verletzung ist mit hohen Kräften zu erwarten. Stoffwechselstörungen entstehen dagegen vor allem bei Kontraktionen mit hohem Energieeinsatz.
Die verzögerten Schmerzen gehören immer noch zu den offenen Fragen. Typische Entzündungsreaktionen lassen sich nur vorfinden, wenn die exzentrische Belastung sehr lang und extrem war oder bei einem stoffwechselbedingten Muskelkater. Es wird ein verstärkter Einweißabbau und eine Gewebsschwellung beobachtet. Beides wird als schmerzauslösend angesehen. Verstärken könnte dies eine Mangeldurchblutung als Ödemfolge sowie eine schmerzbedingte Verspannung. Hierfür spricht, dass der Schmerz durch eine leichte sportliche Betätigung gelindert werden kann, was eine bessere Durchblutung und eine Veränderung der Innervierung beinhaltet. Interessant ist, dass für Böning „Möglicherweise der verletzungsbedingte Muskelkater die pathologische Form häufig auftretender kleiner Einrisse in den Z-Scheiben, deren Regeneration zur Vermehrung der Fibrillen und somit zur Hypertrophie führen und den eigentlichen Reiz zur Kraftentwicklung darstellen könnte.“
Folgen und Handlungsmöglichkeiten für die Praxis
Auch wenn es etwas komisch klingt, aber die beste Vorbeugung gegen Muskelkater ist, ihn für eine bestimmte Bewegungsform bereits erlitten zu haben. Diese Wirkung kann bis zu zwei Wochen anhalten. Die Erklärungen hierfür sind eine verbesserte Koordination, eine verstärkte mechanische Belastung oder gar eine Zerstörung besonders empfindlicher Fasern. Allerdings ist dies aufgrund der Gefahr des Übertrainings dauerhaft nicht zu empfehlen. Doch besonders zu Beginn einer neuen sportlichen Aktivität wird es als sinnvoll erachtet, große Kraft- und Bewegungsausschläge zu vermeiden und die Belastung nur langsam zu steigern bis die Koordination verbessert ist.
Es wurde nicht nachgewiesen, dass Maßnahmen wie Aufwärmen, Massagen und Dehnen vorbeugend wirken. Ebenso konnte keine Wirkung bei der Gabe von Vitamin C und E und Carnitin bewiesen werden.
Im Allgemeinen werden in der Therapie wird eine Schonung und Ruhigstellung empfohlen. Auf jeden fall sollten hohe Kraftbelastungen vermieden werden. Vorübergehend lässt sich der Schmerz durch leichte konzentrische Arbeit abschwächen. Die oft empfohlene Wärmebehandlung konnte nicht eindeutig geklärt werden – es wird allerdings vermutet, dass eine dies auf einer Krampflockerung und Ödemausschwemmung beruht. Eine Cyrotherapie wird hingegen als völlig sinnlos angesehen. Auch eine Massage führt nicht zu Verbesserungen – was bei einer frischen Verletzung auch nicht zu erwarten wäre. Ebenfalls konnte keine eindeutige Wirksamkeit von Medikamenten bewiesen werden. Seien es Muskelrelaxanzien, nichtsteroidale Antiphlogistica, Antioxidanzien oder Aminosäuren. Weiter wurde nicht bestätigt, dass Ibutropfen eine vorbeugende (400 mg 4 h vorher) wie auch eine therapeutische (400 mg 24 h nachher) Wirkung hat. All dies spricht dafür, dass in den meisten Fällen weder Entzündungen noch Radikalschäden eine Rolle spielen.
Die einzigen sinnvollen Maßnahmen scheinen ein kraftreduziertes Training und Wärmeanwendungen in der akuten Phase zu sein.
Zusammenfassung
Muskelkater (verzögerter Muskelschmerz von etwa einwöchiger Dauer) tritt meist nach exzentrischen Kontraktionen, insbesondere mit schlechten koordinativen Fähigkeiten auf. Hohe Dehnungsbelastungen bewirken Zerreißungen von Z-Scheiben und eine Auflösung der Sarkomerstruktur bei einzelnen Fibrillen. Der Schmerz entsteht vermutlich durch Autolyse zerstörter Faserstrukturen, Ödeme und teilweise auch Entzündung.
Eine seltenere Form des Muskelkaters ist bei intensivem Stoffwechsel durch Dauerbelastungen zu finden. Hier lassen sich Entzündungsreaktionen mit Leukocyteneinwanderung nachweisen.
Muskelkater hinterlässt keine weiteren Schäden. Er ist durch die gleiche Bewegung für mehrere Wochen nicht erneut auslösbar. Eine Linderung bzw. Therapie durch Medikamente gibt es nicht. Es kann empfohlen werden, dass der Muskelkater durch eine leichte dynamische Arbeit gemildert wird.
Literatur
1. Böning D: Aktuelles zum Muskelkater. Sportorthopädie. Sporttraumatolo. 11 (1995) 167 – 170
2. Clarkson PM: Eccentric exercise and muscle damage. Int J Sportsmed 18 (1997) 314 – 317
3. Friden J, Lieber RL: Structural and mechanical basis of exercise-induced muscle injury. Med Sci Sports Exerc 24 (1992) 521 – 530
4. Fridden J, Sjöström M: Myofibrillar damage following intense eccentric exercise in man. Int J Sportsmed 4 (1983) 170 – 276
5. Morgan FD L, Allen D G: Early events in stretch-induced muscle damage J Appl Physiol 87 (1999) 2007 - 2015

2. Bankdrücken - nicht Bankschwuchteln!
3. Eisen macht stark, man muss es nur anfassen!
This post has been edited 1 times, last edit by "infraspinatus" (Aug 11th 2008, 1:58am)
durchblutungsfördernde massnahmen schaffen abhilfe. trainiere an einen tag später dieselben übungen mit vielen wiederholungen und ganz leichten gewichten. gönne dir ein lockeres ausdauertraining, ein entspannendes bad, einen besuch in der sauna. wie auch leichte gymnastik, rheumasalbe oder fango.
(also bsp.: strechting, leichtes cardio, ensptannungsformen/-übungen, schwimmen ...)
kurz gesagt, in der phase des spürbaren muskelkaters sollten hohe kraftbelastungen vermieden werden, da sie einerseits sehr schmerzhaft sind und andererseits in dieser zeit die gefahr einer grösseren muskel- oder sehnenverletzung erhöht ist.
interessant ist auch, dass der genuss von grösseren alkoholmengen den regenerationsprozess verzögern kann.
serratus anterior
This post has been edited 1 times, last edit by "serratus anterior" (Aug 11th 2008, 2:00am)
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Danke dafür

edit by infraspinatus: ich finde den beitrag auch gut. besten dank an dieser stelle finchen.
ich habe ihn als wichtig markiert, bitte daher nur ergänzende, direkte weitere beiträge. thx.
This post has been edited 3 times, last edit by "infraspinatus" (Aug 11th 2008, 2:09am)
"Er ist durch die gleiche Bewegung für mehrere Wochen nicht erneut auslösbar."
Dies kann ich so nicht nachvollziehen und aus eigener Erfahrung nicht bestätigen.
Beste Beispiel ist wohl immer wieder das Beintraining!?
Bei mir stellt sich zumindestens immer wieder (jede Woche) zumindestens ein leichter Muskelkater ein.
Muckibär
Gib jedem Tag die Chance, der schönste in Deinem Leben zu werden!
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